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title: "Regulierung als wichtiger Treiber für Nachhaltigkeit (Teil 1) - Von der Pflichtübung zum Mehrwert"
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# Regulierung als wichtiger Treiber für Nachhaltigkeit (Teil 1) - Von der Pflichtübung zum Mehrwert

2025-11-18T00:00:00Z

## Regulierung als wichtiger Treiber für Nachhaltigkeit (Teil 1) - Von der Pflichtübung zum Mehrwert

### Global Head Of Industry Advisory For Sustainability & Climate Resilience

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Judith Neumann

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### General Interest

## Messen um zu managen

&bdquo;Was man nicht misst, kann man auch nicht managen&ldquo; &ndash; diese bekannte Aussage ist die Grundlage und treibende Kraft hinter der Nachhaltigkeitsberichterstattung und -regulierung. In einer Welt, die seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten an die Finanzberichterstattung gew&ouml;hnt ist, sind neue Parameter und Datenpunkte wie CO2-Emissionen oder Wasserverbrauch, die wir zur Messung der Nachhaltigkeit ben&ouml;tigen, noch Neuland. In dieser Hinsicht hat die Welt innerhalb weniger Jahre schnell neue Reporting-Paradigmen etabliert. Der Haupttreiber dahinter: Regulierung.

Laut Anna Petersen, Direktorin von KPMG Norwegen, zeigt der &bdquo;globale Versicherungssektor ein klares und zunehmendes Engagement f&uuml;r die Nachhaltigkeitsberichterstattung&ldquo;.1 Europ&auml;ische Unternehmen sind f&uuml;hrend bei der Einf&uuml;hrung neuer verbindlicher Standards wie der CSRD /ESRS (Corporate Sustainability Reporting Directive und European Sustainability Reporting Standards), die zu standardisierten und besser vergleichbaren Offenlegungen f&uuml;hren. Ein wichtiger Schwerpunkt dieser Vorschriften liegt auf klimabezogenen Finanzangaben, einschlie&szlig;lich Netto-Null-Verpflichtungen und detaillierten Transitionsspl&auml;nen. Im Jahr 2025 hat das Vereinigte K&ouml;nigreich die UK Sustainability Reporting Standards (UK SRS) eingef&uuml;hrt, die auf dem globalen IFRS-Standard (International Financial Reporting Standards) mit einigen regionalen Anpassungen basieren und somit eng an einen weltweit verwendeten Standard angelehnt sind.2

Ein gro&szlig;er Teil der globalen Versicherer berichtet jedoch weiterhin auf freiwilliger Basis nach Rahmenwerken wie GRI (Global Reporting Initiative) oder IFRS. Nachhaltigkeitsberichte enthalten zunehmend detailliertere Analysen wie verschiedene Klimaszenarien und umfassende Daten zu Treibhausgasemissionen sowie Transitionspl&auml;ne. Auch Informationen zu Natur und Biodiversit&auml;t gewinnen an Bedeutung, befinden sich jedoch weltweit noch in einem fr&uuml;hen Stadium.

## Nachhaltigkeitsstandard f&uuml;r Versicherer

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In den letzten Jahren haben Finanzinstitute weltweit zusammengearbeitet und eine neue Initiative namens PCAF ins Leben gerufen, um einen einheitlichen Berichtsstandard f&uuml;r die Finanzbranche zu entwickeln. Mit PCAF k&ouml;nnen Versicherer einen harmonisierten Ansatz zur Bewertung und Offenlegung von versicherungsbezogenen Treibhausgasemissionen (THG) umsetzen. Die erste Version des Standards enth&auml;lt detaillierte methodische Leitlinien f&uuml;r die Messung und Offenlegung von THG-Emissionen in zwei Segmenten: Kfz-Versicherungen f&uuml;r Privatkunden und gewerbliche Versicherungen. Dieser Standard ist Teil C des globalen Standards f&uuml;r die Bilanzierung und Berichterstattung von Treibhausgasen f&uuml;r die Finanzindustrie. Globale Versicherungskonzerne wie Allianz, AXA, Aviva, Generali, Liberty Mutual, Lloyds, Munich Re, QBE, Swiss Re, Tokio Marine und Zurich geh&ouml;ren zu den 16 Mitgliedern der PCAF-Arbeitsgruppe f&uuml;r versicherungsbezogene Emissionen.3

## Die Natur ins Boot holen

Der Verlust von Natur und Biodiversit&auml;t wurde als eines der Hauptrisiken identifiziert, die Communities und Lieferketten weltweit betreffen. Die gute Nachricht ist, dass diese Risiken auf der Agenda der europ&auml;ischen Versicherer immer mehr an Bedeutung gewinnen. Da bessere Datenpunkte verf&uuml;gbar werden, spielt Technologie eine Schl&uuml;sselrolle bei der Messung der Auswirkungen auf nat&uuml;rliche Ressourcen. Dies erleichtert es den Versicherern erheblich, die regulatorischen Anforderungen zur Berichterstattung &uuml;ber verschiedene Themen wie Wasserressourcen, Umweltverschmutzung, Renaturierung, Entwaldung usw. zu erf&uuml;llen. Start-ups wie [Nature Alpha](https://www.naturealpha.ai/), [Gentian](https://gentian.io/) oder [Kuyua](https://www.kuyua.com/) liefern Daten und Analysen zu Natur und Biodiversit&auml;t, die Versicherer sowohl f&uuml;r die Berichterstattung als auch f&uuml;r das Underwriting nutzen k&ouml;nnen.

## EU - doppelte Wesentlichkeit f&uuml;r eine breitere Perspektive

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Die EU hat die Perspektive der doppelten Wesentlichkeit eingef&uuml;hrt. Das bedeutet, dass Unternehmen sowohl &uuml;ber ihre Auswirkungen auf Menschen und Umwelt (Inside-Out- oder Wirkungsperspektive) als auch dar&uuml;ber berichten m&uuml;ssen, wie Umwelt- und Sozialthemen finanzielle Risiken und Chancen f&uuml;r das Unternehmen mit sich bringen (Outside-In- oder Finanzperspektive). Die Umsetzung der doppelten Wesentlichkeit geht &uuml;ber die Berichterstattung hinaus &ndash; sie zeigt das Engagement eines Versicherers f&uuml;r nachhaltige Praktiken im gesamten Unternehmen.4

Die meisten europ&auml;ischen Versicherer haben die doppelte Wesentlichkeitspr&uuml;fung eingef&uuml;hrt und ihre Erkenntnisse und Ergebnisse ver&ouml;ffentlicht &ndash; wie dieses Beispiel von Generali anschaulich zeigt: [Double Materiality Assessment](https://www.generali.com/sustainability/responsible-business/materiality-analysis).

## Versicherer an bord f&uuml;r Omnibus

Um die Berichtspflichten von Unternehmen zu vereinfachen und zu straffen, hat die EU die sogenannten Omnibus-Pakete eingef&uuml;hrt. Mit diesen &Auml;nderungen in mehreren Rechtsvorschriften wie der CSRD m&ouml;chte die EU sicherstellen, dass sich die Berichte st&auml;rker auf aussagekr&auml;ftige Informationen konzentrieren und unn&ouml;tiger b&uuml;rokratischer Aufwand vermieden wird.5 Die Initiative &bdquo;Stop-the-Clock&rdquo; verschiebt die Meldefristen und -pflichten f&uuml;r kleine und mittlere Unternehmen erheblich.

Versicherer sind von dieser neuen Entwicklung in zweierlei Hinsicht betroffen &ndash; als EU-Unternehmen hinsichtlich ihrer Berichtspflichten und als Versicherer von gewerblichen Risiken. Da ein gro&szlig;er Teil der KMU von der Omnibus-Verordnung betroffen ist, werden den Versicherern bei der Bewertung der Nachhaltigkeitsrisiken von Unternehmen, Gewerbeimmobilien und anderer damit verbundener Risiken, Daten fehlen. Wenn keine oder nur begrenzte Daten verf&uuml;gbar sind, k&ouml;nnte dies zum Ausschluss bestimmter Risiken aus dem Versicherungsschutz oder zumindest zu hohen Versicherungspr&auml;mien f&uuml;r bestimmte Risiken im kleinen und mittleren Segment f&uuml;hren.6

W&auml;hrend die meisten Versicherer und Versicherungsverb&auml;nde wie der GDV die Omnibus-Initiative der EU unterst&uuml;tzen, um ihre Berichtspflichten zu verringern, gibt es auch Stimmen wie die von Eurosiff7 die Bedenken hinsichtlich einer Gegenreaktion auf die Dekarbonisierung und den natur-positiven Wandel &auml;u&szlig;ern.

Spanien hat gerade eine neue Gesetzgebung zur obligatorischen Offenlegung von Klimadaten f&uuml;r in Spanien t&auml;tige Unternehmen und &ouml;ffentliche Einrichtungen eingef&uuml;hrt &ndash; und schafft damit Klarheit in einer Zeit, in der sich die EU-Vorschriften im Wandel befinden. Spanien reagiert damit auf die immer h&auml;ufiger auftretenden und schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels, darunter Rekordtemperaturen, Waldbr&auml;nde und &Uuml;berschwemmungen, von denen das Land in den letzten Jahren heimgesucht wurde. Ab 2026 m&uuml;ssen zahlreiche Unternehmen, die entweder in Spanien eingetragen sind oder dort gesch&auml;ftlich t&auml;tig sind, ihre Treibhausgasemissionen melden und glaubw&uuml;rdige Pl&auml;ne zu deren Reduzierung ver&ouml;ffentlichen.8

Wir werden in den n&auml;chsten Jahren sehen, wie sich der Fokus von Versicherern auf wesentliche Aspekte und geringere Berichtspflichten tats&auml;chlich auf Umwelt und Menschen auswirkt, w&auml;hrend sie gleichzeitig rentabel wirtschaften.

## KI als Game Changer f&uuml;r das Berichtswesen und dar&uuml;ber hinaus

![](https://edge.sitecorecloud.io/guidewiresodb06-guidewire0f2e-productioncd91-5186/media/images/resources/blogs/blog-3-all-disclosures--900w.jpg)

W&auml;hrend Omnibus zwar den Berichtsaufwand f&uuml;r EU-Versicherer verringert, werden die Berichtspflichten aufgrund neuer Vorschriften und Analyseanforderungen weiterhin eine Herausforderung darstellen.

Neue M&ouml;glichkeiten im Bereich Daten und KI werden dazu beitragen, mehr Transparenz und Schnelligkeit in die Nachhaltigkeitsberichterstattung einzubringen. Dies wird umso wichtiger, als die Granularit&auml;t und die Komplexit&auml;t der Nachhaltigkeit zunimmt und immer mehr Datenpunkte verf&uuml;gbar werden.

Mit KI k&ouml;nnen Versicherer ihre Daten- und Recherchef&auml;higkeiten optimieren und Gap-Analysen sowie Benchmarking automatisieren. KI-gest&uuml;tzte Echtzeit-Informationen helfen ihnen, Offenlegungen sofort zu analysieren und zu vergleichen. Unternehmen wie [Manifest Climate](https://www.manifestclimate.com/) bieten Nachhaltigkeitsinformationen einschlie&szlig;lich Gap-Analysen anhand verschiedener Berichtsstandards. Datenpunkte aus der ESG-Analyse k&ouml;nnen f&uuml;r das Underwriting in gewerblichen Sparten genutzt werden, und wenn Versicherer diese Daten in ihrem zentralen Underwriting-System bzw. ihrer Cloud-Plattform zur Verf&uuml;gung haben, k&ouml;nnen sie Risiken schneller und besser bewerten und genauer tarifieren.

## Nachhaltigkeitsreporting wirksam einsetzen

Insgesamt werden Regulierung und Reporting zum Thema Nachhaltigkeit oft als Belastung empfunden, w&auml;hrend ihr Wert in den Hintergrund tritt. Sie erm&ouml;glichen es Unternehmen jedoch nicht nur, Vorschriften einzuhalten und ihre Berichtspflichten zu erf&uuml;llen, sondern helfen ihnen auch, ihr Gesch&auml;ft und ihre Auswirkungen auf Gesch&auml;ftsmodelle, Umwelt und &Ouml;kosysteme und die Gesellschaft insgesamt besser zu verstehen.

Unternehmen, die nicht nur Nachhaltigkeitsvorschriften einhalten, sondern bewusst auf Nachhaltigkeit setzen und mit Purpose f&uuml;hren, profitieren von einer besseren Reputation und k&ouml;nnen die junge Generation &ndash; sowohl Kunden als auch Talente &ndash; leichter f&uuml;r sich gewinnen.

Nachhaltigkeitsma&szlig;nahmen gehen zunehmend mit besseren Finanzergebnissen einher. Unternehmen, die Nachhaltigkeitsbem&uuml;hungen priorisieren, haben oft geringere Ausgaben aufgrund einer effizienteren Ressourcennutzung und eines besseren Abfallmanagements. Dar&uuml;ber hinaus k&ouml;nnen diese Ma&szlig;nahmen neue Wege f&uuml;r nachhaltige Angebote er&ouml;ffnen, Innovationen f&ouml;rdern und den Umsatz steigern.9

Da das Gesch&auml;ftsmodell von Versicherern auf Risikomanagement basiert, sind sie stark von klima- und nachhaltigkeitsbezogenen Risiken betroffen, verf&uuml;gen jedoch auch &uuml;ber gro&szlig;e Hebel, um Resilienz und &ouml;kologischen Wandel voranzutreiben. Im [zweiten Teil dieses Blogartikels](https://docs.google.com/document/u/0/d/1AM2WKRiXLcERSaQetDaNg2jSglX8M9JPS_5Gi5M17CY/edit) werden wir diskutieren, wie Regulierung die Nachhaltigkeit in der Versicherungsindustrie zu neuen Horizonten f&uuml;hren kann.

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1Quelle: https://www.linkedin.com/pulse/sustainability-reporting-practices-worlds-largest-anna-pettersen-0nqqf

2Quelle: https://davidcarlin.substack.com/p/a-practical-guide-to-uk-sustainability

3Source: https://carbonaccountingfinancials.com/en/standard#c

4Source: https://www.actuarieelgenootschap.nl/actueel/navigating-sustainability-understanding-double-materiality-in-insurance

5Source: https://www.gdv.de/gdv-en/topics/regulation/the-eu-s-omnibus-packages-why-they-matter-for-insurers-190666

6Source: https://www.kennedyslaw.com/en/thought-leadership/article/2025/the-impact-of-the-omnibus-on-corporations-and-insurers/

7Source: https://www.eurosif.org/press-room/eurosif-warns-omnibus-proposals-risk-undermining-investment-and-competitiveness/

8Source: https://www.iss-corporate.com/resources/blog/spain-introduces-mandatory-climate-disclosure/

9Source: https://instituteofsustainabilitystudies.com/insights/guides/sustainability-reporting-the-many-advantages-for-businesses

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