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title: "Alarmstufe 'Rot' durch die Klimakrise"
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# Alarmstufe 'Rot' durch die Klimakrise

2021-10-06T00:00:00Z

## Alarmstufe 'Rot' durch die Klimakrise

### Chief Evangelist

As Chief Evangelist at Guidewire Software, Laura Drabik keeps her finger on the pulse of insurance industry disruption to coach insurers on ways to innovate their business and achieve a competitive advantage.

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### Trends

Wenn Sie denken, die Coronapandemie war schmerzhaft, dann schauen Sie mal auf die Auswirkungen der Klimakrise, die in einem UN-Bericht als &sbquo;Alarmstufe Rot f&uuml;r die Menschheit&lsquo; charakterisiert wurde.

Im August warnte der Bericht [1] des *UN-Weltklimarats (IPCC)*, dass es schon zu sp&auml;t sein k&ouml;nnte, den durch die globale Erw&auml;rmung bedingen, signifikanten Anstieg von extremen, wetterbedingten Katastrophen in den n&auml;chsten zwei Jahrzehnten zu stoppen. Wenn die versicherten Sch&auml;den aus Naturkatastrophen aus diesem Jahr ein Indikator sind, dann hat er bereits begonnen.

Laut *Financial Times*[2], gab es so viele Waldbr&auml;nde und Winterst&uuml;rme in den USA und Tornados in Europa, um Versicherern weltweit schon im ersten Halbjahr 2021 einen 40 Mrd. US-Dollar schweren Schlag zu versetzen. Wer die Zahlen verfolgt, wei&szlig; - das ist das schlechteste Jahr f&uuml;r die Elementarversicherung innerhalb der letzten Dekade. Und das noch vor der verheerenden Flut in Deutschland im Juli und den zerst&ouml;rerischen Waldbr&auml;nden in Griechenland und Sibirien, oder der Hauptsaison f&uuml;r Hurrikans, in der wir uns gerade befinden.

###### **Das ultimative &sbquo;Gray Rhino&lsquo;**

Es ist nicht so, dass die Branche es nicht kommen sah. Verluste aus Naturkatastrophen sind im Jahr 2020 um 26,5% gegen&uuml;ber 2019 gestiegen &ndash; was allein schon rekordverd&auml;chtig ist.

Von 2000 bis 2010 gab es in den USA durchschnittlich weniger als acht Wetter- und Klima-bedingte Elementarereignisse in der Gr&ouml;&szlig;enordnung von 1 Mrd. US-Dollar. Letztes Jahr waren es 22.

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Klar - Versicherung ist das Gesch&auml;ft mit dem Risiko. Aber mit zunehmender Gefahr durch die Effekte des Klimawandels, wird mehr und mehr deutlich, dass die Versicherungsindustrie technologische Innovation nutzen muss, wenn Sie diese Risiken effektiv abschw&auml;chen will. Hier sind drei Dinge, die Versicherer unverz&uuml;glich in Angriff nehmen sollten. Die gute Nachricht: damit k&ouml;nnten Versicherer der Branche und der Welt einen gro&szlig;en Dienst erweisen.

###### **Ma&szlig;nahme Nr. 1: Risikobewertung &uuml;berdenken**

Wie *McKinsey*[3] herausstellt, k&ouml;nnen Versicherer ihre j&auml;hrliche Policierung und ihr Verst&auml;ndnis von sich ver&auml;ndernden Risiken nutzen, Portfolios neu zu tarifieren und anzuordnen, um langfristige Risiken durch den Klimawandel zu vermeiden. Dabei gibt es nur ein Problem. Versicherer sind auf historische Daten angewiesen, um dieses zuk&uuml;nftige Risiko zu kalkulieren. Aber das Klimasystem, in dem sich die Branche &uuml;ber die letzten 100 Jahre bewegt hat, ist nicht mehr da. Traditionelle Modelle und vergangene Verlusterfahrungen k&ouml;nnen nicht mehr als Grundlage dienen.

Heute ben&ouml;tigen Versicherer eine weit aktuelleres und genaueres Risikoverst&auml;ndnis, um profitabel zu tarifieren oder Risiken gleich zu vermeiden. Geodaten-Analytics k&ouml;nnte eine hilfreiche Technologie sein. Wenn sie mit einer Versicherungsplattform, wie z.B. der Guidewire Plattform integriert wird, liefern L&ouml;sungen von Unternehmen wie *Betterview* oder *Cape Analytics*Luftaufnahmen, Bilderkennung und Predictive Analytics um Immobilienrisiken sofort und On-demand zu bewerten.

Bei *Cape Analytics*beinhaltet dies die Bewertung von Risiken f&uuml;r Wohngebiete, St&auml;dte und auch auf regionaler Ebene. Denken Sie an Waldbr&auml;nde, Hagel, Sturm, Hochwasser von steigenden Meeresspiegeln und andere Gefahren, die durch den Klimawandel verst&auml;rkt wurden.

Um Risiken richtig zu tarifieren und zu finanzieren, empfiehlt McKinsey der Branche, in Technologien zu investieren, die ihnen helfen, die lawinenartigen Auswirkungen bestimmter, klimabedingter Gefahren auf verschiedene Sektoren und Regionen zu erkennen. Auch wenn Versicherer die Deckung einer spezifischen Immobilie oder Betriebsst&auml;tte ablehnen, k&ouml;nnen Naturkatastrophen, die Sch&auml;den an Infrastruktur und Lieferketten verursachen, trotzdem die versicherten Objekte beeinflussen. Nach Einsch&auml;tzung von Swiss Re, k&ouml;nnten diese Dominoeffekte 23 Billionen US-Dollar der Weltwirtschaft im Jahr 2050 aufzehren.

###### **Ma&szlig;nahme Nr. 2: Innovative, neue Produkte anbieten**

*McKinsey* zeigt auf, dass der Klimawandel Versicherern auch eine Gelegenheit bietet, innovative, neue Versicherungsprodukte zu erstellen, die neuere und h&auml;ufigere Gefahren abdecken, wie akute (z.B. Waldbr&auml;nde) und wiederkehrende (z.B. sinkende Ernteertr&auml;ge) Ereignisse.

Typisches Beispiel: parametrische Versicherung. Anders als traditionelle Versicherungsprodukte, bietet die parametrische Deckung Zahlungen aufgrund von ausl&ouml;senden Ereignissen (Hurricanes, Erdbeben, Waldbr&auml;nde, D&uuml;rre) definierter Gr&ouml;&szlig;enordnung, anstatt auf Basis von Werten physischer G&uuml;ter. Technologien wie die von *Demex*[4], erm&ouml;glichen es Versicherern, parametrische Versicherungen anzubieten. Gleichzeitig helfen sie den Unternehmen, Risiken zu identifizieren und auf zuvor zertifizierte Versicherungstr&auml;ger zu &uuml;bertragen, die f&uuml;r die Bedrohungen, die sich aufgrund des Klimawandels ergeben, als &sbquo;Sto&szlig;d&auml;mpfer&lsquo; dienen.

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Nach Einsch&auml;tzung des Beratungsunternehmen *Marsh McClennan*[5] ist die parametrische Deckung besonders wertvoll, wenn es zu wenig Kapazit&auml;t oder Appetit von traditionellen Versicherungsm&auml;rkten gibt. Speziell, wenn Verluste aus Gesch&auml;ftsunterbrechungen durch wetter-bedingte Ereignisse gr&ouml;&szlig;er sind als der Wert physischer G&uuml;ter. F&uuml;r Versicherer ist es ein effizienter Weg, nicht nur das Risiko zu verringern, sondern auch ihre Reaktion auf Kumulereignisse zu optimieren. Die Zahlungen werden genau dann automatisiert, wenn die Anzahl der Schadenmeldungen die Bearbeitungskapazit&auml;tsgrenze &uuml;berschreiten k&ouml;nnte.

###### **Ma&szlig;nahme Nr. 3: Unternehmen dabei unterst&uuml;tzen, das Risiko f&uuml;r uns alle zu senken**

Gem&auml;&szlig; UN-Bericht, kann praktisch nichts getan werden, um die klimabedingten Naturkatastrophen abzuwenden, die durch einen Anstieg von 1,5 Grad Celsius der durchschnittlichen, globalen Temperatur f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre erwartet werden. Aber es ist nicht zu sp&auml;t f&uuml;r Staaten und Industrien, CO2-Emissionen drastisch zu reduzieren, um zu verhindern, dass die Temperaturen noch h&ouml;her steigen. Die Versicherungsindustrie kann dabei eine zentrale Rolle spielen.

Neue Formen von nutzungsabh&auml;ngigen Policen (UBI), belohnen klima- und umweltfreundliches Verhalten &ndash; z.B. bei Versicherungen f&uuml;r Elektroautos [6] oder gr&uuml;nen Hausratversicherungen [7]. Smartphone-basierte Telematik wird eingesetzt, um Kunden daf&uuml;r zu belohnen, weniger zu fahren. Nutzungsabh&auml;ngige Versicherungen werden dieses Jahr um 50 % wachsen, und k&ouml;nnten bis 2024 einen Marktanteil von 20 % aller Kfz-Policen erreichen, so *Forrester Research*[8]. Diese Art der Deckung k&ouml;nnte bald auch f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung von autonom fahrenden elektrischen Bussen und Lkw-Flotten genutzt werden, die Transportwege sicherer und effizienter machen.

Versicherer k&ouml;nnen Anreize f&uuml;r Unternehmen setzen, durch Ma&szlig;nahmen, die &uuml;ber das Underwriting hinausgehen. Laut *Insure Our Future*[9], ist die Versicherungsindustrie der zweitgr&ouml;&szlig;te institutionelle Investor weltweit mit einem enormen finanziellen Einfluss. In dieser Hinsicht machen *Aviva, Zurich*und andere gro&szlig;e Versicherungsgruppen Fortschritte in ihrem Einsatz f&uuml;r ESG (Umwelt, Soziales und Unternehmensf&uuml;hrung) zur CO2-Neutralit&auml;t in ihren eigenen Unternehmen, als auch in Bezug auf die Unternehmen und Fonds, in die sie investieren. Andere Versicherer sollten ihrem Beispiel folgen.

###### **Vom Risiko zu Resilienz**

Das von mir hier skizzierte Ma&szlig;nahmentrio ist zwar sehr wichtig und dringend, wird aber die Gefahren des Klimawandels f&uuml;r Versicherer und uns alle, nicht allein l&ouml;sen. Wir brauchen Regierungen, ein Massenbewusstsein, regulatorische Verf&uuml;gungen und vieles mehr, um zu verhindern, dass eine schon schlechte Situation noch (sehr) viel schlechter wird.

Wie es jetzt aussieht, wird der Bericht des Weltklimarats ein prim&auml;rer Fokus auf der UN-Konferenz in Glasgow im November sein. Wir sollten alle hoffen, dass dies zu soliden Schritten f&uuml;hrt, um die Herausforderungen des Klimawandels die vor uns liegen, einzud&auml;mmen. Die drei genannten Ma&szlig;nahmen w&auml;ren f&uuml;r Schaden- und Unfallversicherer ein guter Anfang.

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*1 Quelle: https://www.ipcc.ch/report/sixth-assessment-report-working-group-i/ 2 Quelle: https://www.ft.com/content/1053aebb-474f-4f35-9034- 3 Quelle: https://www.mckinsey.com/industries/financial-services/our-insights/climate-change-and-p-and-c-insurance-the-threat-and-opportunity* *4 Quelle: https://thedemexgroup.com/ 5 Quelle: https://www.marshmclennan.com/insights/publications/2018/dec/parametric-insurance-tool-to-increase-climate-resilience.html 6 Quelle: https://www.handelszeitung.ch/insurance/umwelt-hz-insurance-versicherer-planen-tiefere-pramien-fur-elektroauto-fahrer 7 Beispiel: https://www.gruene-hausrat-versicherung.de/ 8 Quelle: Forrester Research, Inc., Predictions 2021: Insurers Find Opportunity Amid Chaos, Jeffery Williams, October 30, 2020 9 Quelle: https://www.insureourfuture.us/*

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